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Hirnforschung an Management – Konstruktive Ideen für Pragmatiker

Februar 24, 2012

Die Ziele für Fach- und Führungskräfte in Unternehmen kommen meist von oben. Der Gestaltungs- und Gesprächsraum, nicht nur über Ziele, wird meist als sehr eng wahrgenommen. Auf der anderen Seite werden Fluktuation, Krankenstand und wenig Engagement beklagt. Dazu kommt sicher auch die aktuelle Diskussion um das Thema Burnout. Markus Väth vertritt die These, dass die Strukturen in den Unternehmen häufig die Ursache davon sind. Sein Buch mit dem Titel: „Feierabend hab ich, wenn ich tot bin: Warum wir im Burnout versinken“ ist sehr lesenswert. Es geht dabei um die erlebte Überforderung in Organisationen und dass sich die Strukturen ändern müssen, um mehr Gesundheit und damit auch mehr Produktivität hervorzubringen.

Hier kommen pragmatische Überlegungen für konstruktive Praktiker um bessere und gesündere Unternehmen zu gestalten:

Auch nach den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung braucht der Mensch, natürlich nicht nur in Organisationen, die Möglichkeit zu gestalten (Stichwort Dopamin) und das Gefühl der Zugehörigkeit (Stichwort Serotonin).

Eine entsprechende Organisations- und Führungskultur kann das liefern. Das lässt sich gemeinsam erarbeiten und muss allerdings immer wieder neu erarbeitet werden. Das ist dann auch ausgezeichnet für den Dopamin- und Serotoninspiegel.

Ein optimaler Dopaminspiegel sorgt für einen aktiven, wachen, verantwortungsbewussten und lernbereiten Geist. Wenn der Mensch gestalten kann, führt dies zu einem selbstverstärkenden Kreislauf, der sich auch positiv auf die Gesundheit auswirkt. Gibt es wenig Raum zum Gestalten, führt das eher zu einem „Dienst nach Vorschrift“ und das Gehirn sucht sich ganz automatisch andere Möglichkeiten zu gestalten.

Ein optimaler Serotoninspiegel sorgt für Ausgeglichenheit und innere Ruhe. Ein Mangel begünstigt Depressionen und steht auch im Zusammenhang mit dem Thema „Burnout“. Das Erlebnis dazu zugehören und sich mit seiner Organisation zu identifizieren ist nach den Forschungsergebnissen ebenfalls gesundheitsfördernd.

Unser Gehirn ist ein Lernorgan und zwar bis ins hohe Alter. Im Alter sollten wir jedoch anders lernen als in jungen Jahren. Lernen sollte da mehr an den bisherigen Erfahrungen anknüpfen. Es konnte in der Hirnforschung aufgezeigt werden, dass junge Menschen schneller lernen, jedoch ältere Menschen die besseren Ergebnisse liefern, wenn es sich um Erfahrungswissen handelt. Nobelpreisträger in Physik sind jung und Friedensnobelpreisträger sind deutlich älter. Das Wissen wie Management, Vertrieb, Projekte, Zusammenarbeit etc. gelingen kann ist Erfahrungswissen. Das spricht sehr dafür in Teams mit jungen und älteren Menschen zu arbeiten.

Ein konstruktiver Dialog in Organisationen fördert sowohl das Thema Zugehörigkeit und Vertrauen. Wenn gleichzeitig dieses Vertrauen genutzt wird, um Fach- und Führungskräfte verantwortungsbewusst Raum zum Gestalten zu geben, dann führt das zu einem schwer zu imitierenden Wettbewerbsvorteil, wie auch die beiden Autoren Margit Osterloh und Antoinette Weibel im Buch „Investition Vertrauen“ eindrucksvoll aufzeigen.

Der Managerbrief, der auf Peter F. Drucker zurückgeht, ist eine sehr effektive Möglichkeit sowohl die Zugehörigkeit als auch die Gestaltung zu adressieren. Die Zugehörigkeit durch einen Dialog auf Augenhöhe. Die Gestaltung durch selbstdefinierte Ziele. Wenn wir unsere Ziele mit jemanden besprechen, der unsere Ideen verstehen will und der diese ergänzen kann, dann kann daraus ein passendes persönliches Ziel für die Organisation werden. Diese mögen wir in der Regel gerne erreichen, denn sie kommen ja auch von uns.

Darüber hinaus, so meine Erfahrung und Prognose, werden sich wertvolle Impulse und Entwicklungschancen auch für die Organisation ergeben. Der Managerbrief beantwortet auf maximal zwei Seiten folgende und wesentliche Fragestellungen:

  • Was sind aus meiner Sicht meine Ziele für das nächste halbe Jahr?
  • Was sind meiner Auffassung nach die Ziele meines Chefs?
  • Was sind Kriterien nach denen meine Leistung bewertet werden kann?
  • Was sind die Dinge, die ich tun muss, um meine Ziele zu erreichen?
  • Welche Unterstützung brauche ich für die erfolgreiche Arbeit an meinen Zielen?
  • Was behindert mich in der Organisation an meiner Arbeit?
  • Was sind meine konkreten Schritte um mein Ziel zu erreichen?

Das Management hat natürlich die Möglichkeit ein „Veto“ einzulegen. Wichtig an dem Brief ist der Dialog über die Ideen und Ansätze. Das bedeutet für beide Seiten eine intensive Vorbereitung. Stimmt das Management dem Brief zu, so ist der Managerbrief die geltende Zielvereinbarung.

Sie mögen vielleicht denken, dass ist viel Aufwand? Was wäre, wenn Sie es ausprobieren täten? Was könnte entstehen? 

Unser Gehirn ist ein “Gebrauchsgegenstand”. Je nach dem, wie es genutzt wird, zeigt es auch seine Gebrauchsspuren.

Investition Vertrauen – Buchrezension – Über gelungene Organisationskulturen

Februar 24, 2012
In Organisationen ist Vertrauen das “Schmiermittel”. Es lassen sich konkret Faktoren nennen, die bestimmen, wie gut es laufen wird oder eben nicht. Dies gilt im Besonderen für Organisationen, die eher mit Wissensarbeitern ihre Wertschöpfung gestalten.Vertrauen kann nur der gewinnen, der auch enttäuscht werden kann. Nur durch den Vertrauenssprung, dem Sprung ins kalte Wasser, kann festgestellt werden, ob Vertrauen gerechtfertig ist. Der Grund, warum man springt, ist die positive Erwartung. Luhmann bezeichnet Vertrauen als riskante Vorleistung.

Welche konkreten Auswirkungen Vertrauen in Organisationen haben kann, wird auch an verschiedenen Unternehmen dargestellt. So werden Southwest und American Airlines im Rahmen ihres Führungs- und Kommunikationsstils sowie an den Resultaten vorgestellt. Beide Unternehmen sind auf dem Papier “Mitarbeiterorientiert”. Die Ausgestaltung unterscheidet sich allerdings in wesentlichen Punkten. American Airlines wird von den Mitarbeitern eher als kontrollierend erlebt. Die Mitarbeiter von Southwest erleben ihre Kultur eher als vertrauensvoll.

Unter gleichen Marktbedingungen werden andere wirtschaftliche Ergebnisse erzielt. Southwest gelang es auch nach den Anschlägen (11.9.2001) als einziger amerikanische Airline schwarze Zahlen zu schreiben. Die Mitarbeiter sehen den Kundennutzen als ihren Fokus und wollen zusammen als Team ihre Mission erfüllen. Die Mitarbeiter setzen sich gerne ein und gehen die “Extra Meile” mit.

Beide Unternehmen kontrollieren natürlich die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter und Teams. Bei American Airlines wurde die Kontrolle der Arbeitsergebnisse eher als Misstrauen gewertet und löste damit eher eine “Dienst nach Vorschrift” Mentalität aus. Bei Southwest wurde es als positives Feedback gewertet und führte zu guten Ergebnissen (Wirtschaftlich, Fluktuationsrate sehr niedrig, Kundenzufriedenheit). Die Mitarbeiter werden gecoacht und es gibt häufig Feedback. Die Führungskraft arbeitet operativ mit und hat im Vergleich zu American Airlines weniger Mitarbeiter. Bei American Airlines gibt es Einzelprämien.

Southwest unternimmt große Anstrengungen bei der Personalauswahl. Auch das ist eine Empfehlung für Organisationen, die auf Vertrauen setzen wollen. Selbstbestimmtes Handeln wird bei Southwest Ailines gefördert und gefordert. Ein Zitat aus dem Buch, welches eine gut verständliche Definition der verschiedenen Vertrauensarten ist:

“Wir (Menschen) schenken Vertrauen auf der Basis von drei Grundlagen: (Zum besseren Verständnis stellen Sie sich vor, der Vertrauensnehmer ist der Mitarbeiter und der Vertrauensgeber ist die Führungskraft.)

  • Situationsbasiertes Vertrauen: Vorraussetzung eines Vertrauens für einen extrinsisch motivierten Vertrauensnehmer ist es, dass ihn die Kosten eines Betruges höher zu stehen kommen als ein möglicher Nutzen.
  • Eigenschaftsbasiertes Vertrauen: Wir vertrauen einem Vertrauensnehmer, wenn wir ihn für fähig, integer und wohlwollend halten. Die intrinsische Motivation des Vertrauensnehmers steht im Vordergrund, der Vertrauensgeber kann hingegen durchaus extrinsisch motiviert sein.
  • Identifikationsbasiertes Vertrauen: Wir vertrauen einander, weil wir uns mit den Werten, Zielen und Bedürfnissen des Partners identifizieren und gegenseitige Sympathie empfinden. Vertrauensgeber und –nehmer sind intrinsisch motiviert. Die gegenseitige Beziehung steht im Vordergrund.”

Kontrolle ist darüber hinaus für Schadensbegrenzung wichtig und das Sprungbrett zu echtem Vertrauen. Für die Wirkung der Kontrolle kommt es entscheidend auf die Intention an.
Begünstigt wird die Vertrauensbildung durch Fairness in der Organisation. Je mehr Fairness desto mehr Vertrauen.
Die distributive Fairness wird als eher hoch eingeschätzt, wenn die Mitglieder einer Organisation empfinden, dass Pflichten und auch Leistungen gerecht verteilt sind. Dann führt das zu mehr Vertrauen der Mitarbeiter in “ihr” Unternehmen.

Die prozeduale Fairness in der Organisation betrifft die Fragestellung, wie man zur distributiven Fairness kommt. Ist der Prozess dazu fair? “… die Investition in gerechte Verfahren gehört wohl zu den preiswertesten Methoden zur Verbesserung der Verhaltensweisen, des Zusammenhalts und der Pflichterfüllung in einer Organisation. Dies spricht sehr dafür prozeduale Fairness zu realisieren.” (Lind & Tyler 1988, S.201)

Die interaktive Fairness dreht sich um die Kompetenz der Führungskraft, angemessen zu kommunizieren und fair zu sein. Einem fairen Chef traut man eher zu, dass er kompetent, zuverlässig und ehrlich ist. Es zeigt sich aus Forschungsergebnissen, dass Mitarbeiter sehr wohl den “Gürtel” enger schnallen, wenn ihnen die Gründe offen kommuniziert werden und / oder sie in den Prozess der Lösungsfindung mit einbezogen werden.

Eng verbunden damit ist auch der Führungsstil. Der transaktionale Führungsstil basiert auf dem Austauschprinzip – Belohnung gegen Leistung. Im Sinne der Vertrauensbildung kann dieser Stil nur die distributive Fairness adressieren.
Der transformative Führungsstil hingegen unterstützt die Bildung von Vertrauen direkt und indirekt über die prozeduale Fairness.
In der Praxis werden oft beide Stile genutzt. Die Verteilung auf die beiden Stile variiert.

Die Rolle der Frau als Führungskraft wird in dem Zusammenhang besonders herausgearbeitet. Frauen nutzen eher den transformativen Stiil, gewinnen aber laut Studien nicht immer dadurch das entsprechende Vertrauen. Das liegt an inkongruenten Rollenerwartungen, die es abzubauen gilt.
Zum anderen zeigt sich wieder, dass Menschen, deren Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenzerfahrung sowie Zugehörigkeit befriedigt sind, selbstbestimmt Handeln (intrinsisch motiviert) und Verantwortung übernehmen.

Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Thema Corporate Governance und untersucht auch unter Berücksichtigung der jüngsten Skandale die Vertrauenskultur in Unternehmen und Wirtschaft. Dazu gehört auch das Thema Managementgehälter. Studien zeigen auf, dass Unternehmen, die ihren CEOs ein sehr hohes Gehalt zahlen, daraus keine Performance Steigerungen erwarten können. Eher jedoch einen Vertrauensschwund in der Organisation, da die Fairness stark in Frage gestellt ist.

Im ersten Schritt der Vertrauensbildung geht es um Vorleistungen. Diese führen nur langsam zum Aufbau von Vertrauenskapital. Dieses jedoch wächst nach einer Zeit überproportional. Fehlverhalten schädigt das aufgebaute Vertrauenskapital allerdings nachhaltig. Vertrauen ist nicht kaufbar. Vertrauen kann nur geschenkt werden.
Allerdings gibt es hierbei eine Paradoxie. Das bewusste Streben nach Vertrauenswürdigkeit kann zerstörerisch wirken. Wer vertrauenswürdig ist, der kann mit der Anerkennung durch andere rechnen. Wer aber bewusst danach strebt, der verliert sie.

Ein rundherum gelungenes Buch zum Thema Vertrauen in Organisationen. Die Forschungsergebnisse der noch jungen Vertrauensforschung sind praxisnah und verständlich für den Praktiker in Unternehmen und in der Beratung dargestellt. Dazu kommen pragmatische Handlungsempfehlungen, um sich in den Organisationen diesen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten.

Sehr zu empfehlen für Führungskräfte, Geschäftsführung und Berater, die nach Wegen suchen Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.
Die gute Nachricht ist: Die beschriebenen Faktoren können als Praktiken in Organisationen gelernt und umgesetzt werden. Dazu braucht es den Willen.

Organisationskultur, Chancen eines Boxenstops (oder auch “Burnout” Prävention)

November 7, 2011
Menschen, die an Burnout erkranken, fehlt es nach der Fachliteratur u.a. an dem Erleben, die Umwelt erfolgreich zu gestalten und diese Erfolge auch zu feiern. Das ist sicherlich ein komplexes Thema. Ich gehe hier auf einen möglichen Baustein ein.
Bei einem Workshop mit einer Firma, die ich bei ihrer Kulturveränderung hin zu mehr konstruktivem und mehr vernetzten (systemischen) Denken unterstütze, wurde mir von der 1. Führungsebene während der Pause versichert, dass es gewisse Meetings gibt, da müsse man hin. Sie bringen zwar nichts, doch ein Fehlen wäre undenkbar. Daher ist es auch nicht denkbar, über das “nicht hingehen” zu sprechen.
Es wurde darüber hinaus in dem Workshop viele “historische” Prozesse und Strukturen gefunden. Im ersten Ansatz galten diese auch als gegeben und auch wichtig. Über die Jahre kamen immer mehr dazu. ”Hamsterrad” wurde plakativ als Beschreibung mancher Situationen verwandt.
Gleichzeitig gibt es, so die Teilnehmer, viel zu wenig Zeit für wichtige und drängende aktuelle Fragen. Sind das nicht Elemente, die zum “Burnout” führen können?
Aus meiner Sicht ticken viele Organisationen ähnlich. Die Gewohnheiten, die vorhandenen Prozesse und Strukturen werden Zug um Zug ergänzt und dann kaum noch hinterfragt. Zu viel Aktivität und Engagement, so vermute ich, mindert die Chance für “Boxenstops”. 
Ganz selten kommt es zu einer bewussten Auseinandersetzung in der Form, dass aktiv in der Organisation gefragt wird: Auf was können wir verzichten? Was brauchen wir nicht mehr? Was ist heute wesentlich für unseren Erfolg?
Wichtig bei den Fragen ist aus meiner Sicht, die Menschen in der Organisation zu befragen und so die vorhandenen Kompetenzen und Fähigkeiten der Führungskräfte und Fachkräfte zu nutzen.
Das wird oft zu mehr Freiraum und dem Gefühl von mehr Gestaltungsfähigkeit führen. Darüber hinaus kann es einfach leichter sein.
In dem Fall gab es ein Experiment als Hausaufgabe bis zum nächsten Workshop: Den Kalender in die Hand nehmen und die nächsten 14 Tage jeden Tag, direkt beim Tun, exakt erfassen, was genau getan wird und eine Einschätzung abgeben, ob dieses Tun die Erreichung der eigenen Ziele (A, B, C – Massnahmen/Priorität) unterstützt oder ob anderes Tun besser geeignet wäre. Das war eine gute Basis zum Dialog über das schlanker werden.
Was schätzen Sie, kommt bei Ihnen raus? Wäre weniger mehr? Welche Auswirkungen hätte es? 

Besser kommunizieren. Annahmen und Argumente einfach visualisieren.

September 26, 2011

Im Sommer war ich zu einer Tagung eingeladen. Eine kleine Gruppe der 1- und 2. Führungsebene wollte einige Arbeitsthemen diskutieren, Entscheidungen teilweise treffen und vorbereiten sowie Maßnahmen planen. Meine Aufgabe war es nach den Prozess und der Kommunikation zu schauen sowie Möglichkeiten der Verbesserung anzusprechen.

Im Rahmen eines Themas, habe ich mich als Moderator angeboten. Die Teilnehmer waren sehr engagiert und es wurde in der Diskussion polarisiert. Da kann es unter Umständen passieren, dass sich die “Lautesten” oder die Teilnehmer mit am meisten Macht durchsetzen, anstatt die “beste Idee” für die Organisation.
Es gab zum Thema eine erste Version einer Management Summary. Doch diese macht die Annahmen und Schlussfolgerungen nicht deutlich. Häufig wird die Management Summary ja auch mit Word, PPT und Excel erstellt. Aus meiner Sicht sind dies die falschen Werkzeuge, wenn Argumente in Zusammenhängen auch verstanden und bewertet werden sollen.

Auf einer Metaplanwand habe ich die Argumente und Vorannahmen zusammen mit den Teilnehmern herausgearbeitet und visualisiert. So entstand ein Argumentationsnetzwerk, ähnlich der Projektumfeldanalyse.

Die  Frage, die mich dabei leitete, war recht einfach:  „Wovon hängt der konkrete Projekterfolg (heute und morgen) direkt ab? (*)“ Damit lässt sich Schritt für Schritt ein Argumentationsnetzwerk aufbauen, das auch die impliziten Vorannahmen und Einstellungen der Teilnehmer enthält. Das braucht natürlich einen wertschätzenden Rahmen, indem kritisch und kontrovers diskutiert wird. Eine systematische Haltung und Fragetechnik sind aus meiner Sicht dafür hilfreich.

Das visualisierte Netzwerk war für die Teilnehmer ein Gewinn, ebenso wie die „Offenlegung“ der Gedanken der anderen Teilnehmer. Daraus entstand dann an diesem Tag fast automatisch ein konstruktiver Dialog, der in dem Fall zu einer tragfähigen Lösung führte. Das gelingt nicht immer. Wenn jedoch, ist es auch eine große Chance für eine konstruktivere Kommunikations- und auch Organisationskultur. (Einen Fachbeitrag für PersonalEntwickeln zum Thema „Systemisches Denken im Unternehmen vertiefen“ finden Sie hier: Link zum PDF. )

Menschen, die nicht dabei waren, konnten mit dem Fotoprotokoll nicht viel anfangen. Das lag unter Umständen an meiner Handschrift und an den Pfeilen, die „kreuz und quer“ verliefen. Das passiert nach meiner Erfahrung jedoch nicht nur mir.

Ich möchte nicht verheimlichen, dass ich Partner der Consideo und begeistert vom iMODELER bin. Machen Sie sich zu systemischen Denken und Werkzeugen Ihr eigenes Bild.

Hier meine Perspektive: Schade, dass es damals noch nicht den IMODELER gab. Das ist eine neue App, die uns unterstützt, besser in Organisationen zu kommunizieren. Diese ist sehr leicht zu bedienen und sie liefert neben der Visualisierung auch eine Auswertung: Welche Faktoren beeinflussen das Ziel? Wo liegen Hebelpunkte? Dazu lassen sich „Was wäre wenn Szenarien entwickeln?“.

(*) Diese Fragestellung unterstützt der IMODELER auch perfekt.

Der neue iMODELER (für Windows, Mac, Linux, Smartphone, Pad-Computer) erlaubt in revolutionärer Weise Zusammenhänge zu visualisieren und zu analysieren, um besser planen, entscheiden und kommunizieren zu können.

Die größte Herausforderung der Gegenwart und Zukunft ist die zunehmende Komplexität. In der Wirtschaft (Projekte, Strategien, Produkte, Technologien, Organisationen …), in Politik und Gesellschaft (Ökologie, Wirtschaft, Kultur, Demographie …) und im Privaten (Lebenswegeplanungen, Partnerschaften …) hängt erfolgreiches Handeln davon ab, dass wir viele Faktoren in ihrem Zusammenspiel begreifen.

Hierbei stoßen wir Studien zufolge auf eine mentale Grenze, wenn mehr als 4 Faktoren zu berücksichtigen sind. Also fast immer. Wir greifen dann fahrlässig auf unser Bauchgefühl (emotional verfälscht, linear …) und Best Practice (andere Zeit, anderer Ort, andere Rahmenbedingungen…) zurück. Und wir scheuen die Analyse von individuellen Wirkungszusammenhängen, da Werkzeug und Methode hierzu bisher zu kompliziert waren.

Video zum neuen IMODELER: 

Link zu weiteren Infos: http://www.cs-seminare.com/124.html

Wenn die Lösung das Problem ist – auch in Organisationen

Juli 26, 2011

Paul Watzlawick (http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watzlawick) hat aus meiner Sicht in sehr humorvoller Weise dazu beigetragen, dass das vernetzte oder systemische Denken sich weiter verbreitet hat. Weiter unten finden Sie ein altes und zeitloses Video zum Thema “Wenn die Lösung das Problem ist. Das hat mich inspiriert darüber nachzudenken, wie das in Organisationen so sein kann:

  • Die Lösung: Dienst nach Vorschrift. Das Problem: Demotivation durch die Führungskultur. Zu wenig konstruktives Feedback. Dafür werden Defizite häufig aufgezeigt.
  • Die Lösung: Entscheidungsschwäche. Das Problem: Fehler werden direkt oder subtil vom Management bestraft.
  • Die Lösung: Kaum Innovationen. Das Problem: Systemkonformes Verhalten der Mitarbeiter wird belohnt. Querdenken und eine andere Meinung als der Chef wird nicht gemocht.
  • Etc. Vielleicht kennen Sie auch weitere Beispiele?

Das kommt mir vor, wie eine Geschichte mit einem kleinen Segelboot illustriert: Ein Teammitglied lehnt sich raus und das andere Teammitglied macht das auf der anderen Seite auch, damit das Schiff nicht kippt. Darauf lehnt sich der andere weiter raus, daraufhin der andere, usw. … So eine Systemlogik entwickelt sich in der Regel sehr langsam und Schritt für Schritt. Es ist unter den Umständen sehr müßig sich fragen, wer “Schuld” hat. Die Frage ist auch, welchen Nutzen hat es, wenn es einen “Schuldigen” gäbe. Manche Organisations- und Führungskulturen brauchen das jedoch. Wobei wir wieder beim Thema sind: “Wenn die Lösung das Problem ist.”

Das wird im sicher sehr selten bewusst absichtlich so gemacht: Für Management und Organisationen handelt es sich dabei aus meiner Sicht meist um “blinde Flecken”. Der Wald wird vor lauter Bäumen nicht gesehen. Externe Berater haben nicht diese Betriebsblindheit und können daher mithelfen die “blinden Flecken” zu reduzieren. Z.B. auch mit der Arbeit von Metaphern: http://schlachte.wordpress.com/2010/04/27/wie-wurden-sie-ihr-unternehmen-beschreiben-wenn-es-ein-schiff-ware/ 

Eine reale Lösung lässt sich auf der Ebene der Problemsituationen in den Beispielen sicher so nicht finden. Eine gewünschte Veränderung herbeizuführen ist nicht trivial. Gewohnheiten sind oft tief in unserem Gehirn und in den Fällen auch in der Organisationskultur verankert. Eine Meta – Ebene kann hilfreich sein, um die Logik zu verstehen. Wie funktioniert das System? Was sind die (unausgesprochenen) Annahmen? Was passiert, wenn nichts geändert wird? Um dann pragmatisch nach vorne zu schauen: Was wollen wir? Wofür wollen wir das? Wo in dem System sind Hebelpunkte und Stärken für die gewünschte Veränderung? Was ist der nächste konkrete Schritt?

Hier nun das wunderbare und kurzweilige Video mit Paul Watzlawick:

Ausweg bei persönlichen Sackgassen im Management

Juli 18, 2011

Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit auch bei Stress und Druck – PSI Theorie – “Pendeln lernen”

Kennen Sie das aus Ihrer oder auch von anderen Organisationen? Eine schwierige Aufgabe steht an. Alles wird gut durchdacht und geplant, doch es tut sich in der Umsetzung nichts.

Im persönlichen Führungsalltag kann das zum Beispiel ein schwieriges Mitarbeitergespräch sein, oder auch ein Team Meeting sein, wo Sie einem von zwei guten Projektideen eine Absage erteilen müssen, oder Sie müssen dem Vorstand von terminlichen Schwierigkeiten in Kenntnis setzen.

Diesen Fall habe ich in einem Coaching mit einer Führungskraft der ersten Ebene bearbeitet. Die erfahrene Führungskraft erlebte den Vorstand als mächtig sowie wenig bereit von eigenen Vorstellungen und Zielen abzuweichen. Er zögerte immer wieder den Termin zu machen und suchte fieberhaft zusammen mit seinem Team nach Lösungen, um das Problem doch noch in den Griff zu bekommen. Dabei verlor er weitere Zeit. Parallel reifte die Erkenntnis, dass er den Termin mit dem Vorstand möglichst bald machen muss. Die Notwendigkeit war ihm klar. Die Ziele waren ihm auch klar. Doch es tat sich nichts. Es wäre viel zu einfach, ihn in der Situation als “konfliktscheu” zu bezeichnen und damit zu konfrontieren. 

Die Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI) Theorie (http://de.wikipedia.org/wiki/PSI-Theorie_(Kuhl))  liefert auch dazu ein Erklärungsmodell und zeigt Möglichkeiten für wirksame Veränderungen auf.  Die PSI Theorie integriert motivationale, volitionale, kognitive, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische Theorien. Dazu greift sie auch die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung auf. Für Berater, Coaches und Mitarbeiter aus PE/OE ist sie daher auch eine ausgezeichnete und verständliche Quelle um die Arbeit mit Menschen in Organisationen auf eine solide psychologische Basis zu stellen. 

Die Führungskraft war gefangen im System, welches sich auf Einzelheiten konzentriert (selektiv – Objekterkennung). Ihn beschäftigte die Frage: “Wie komme ich mit meinem Bereich aus der Situation?” Es gibt die Gefahr sich in dem System zu verlieren und bei Fehlern und Problemen hängenzubleiben. Im allgemeinen Sprachgebrauch sprechen wir vom Tunnelblick.
Dazu war das System, was sich mit Absichten beschäftigt, aktiv. Das “Intentionsgedächtnis” (analytisch) war geladen und wollte die Aktion angehen, die Situation mit dem Vorstand zu klären. Das “Intentionsgedächtnis” kommt in Gang, wenn es keine Routinelösung im verhaltensbasierten System gibt. Um allerdings das verhaltenssteuernde System zu aktivieren, um dann den Termin wirklich zu machen und den Dialog mit dem Vorstand konstruktiv und ergebnisorientiert zu führen, braucht es unbedingt  positive Energie. Von alleine oder vom ungezielten positiven Denken kommt das nicht nachhaltig dazu. Gutgemeinter Zuspruch wie z.B.: “Du wirst das schon schaffen. Du hast es doch drauf.” sind nur dann hilfreich wenn das “Extensionsgedächtnis” auch aktiv ist.

Wichtig ist auch beim Coaching immer die Frage nach Ressourcen. Diese befinden sich in dem “Extensionsgedächtnis”.

  • Wie haben Sie in Ihrem Leben Probleme, die ausweglos erschienen, gelöst? Erzählen Sie von diesen Situationen. Da sollten Sie sich Zeit für die Erkundung lassen.
  • Wie war das für Sie und andere Beteiligte in der Situation? Wie danach?
  • Welche Lernerfahrungen verbinden Sie damit?

Diese Fragen aktivieren das Extensionsgedächtnis (intuitiv, ganzheitlich, Somatische Marker), allerdings nur, wenn sich die gefragte Person als ganze Person angesprochen fühlt. Es bezeichnet das ganzheitliche Erfahrungssystem und beinhaltet ein tiefes und auch unbewusstes Netzwerk von Handlungsoptionen, dazugehörigen Emotionen und eigenen Erfahrungen.

  • Was wird sein, wenn das Problem geklärt ist?
  • Was sagt es über Sie, wenn Sie das Thema aktiv und konstruktiv angehen?
  • Wie wird es ihnen gehen, wenn Sie das Gespräch geführt haben?
  • Wie wird das für Ihr Team sein?
Diese Fragen gehen auf die Gefühle und Emotionen ein.
  • Was ist das Ziel Ihres Gesprächs mit dem Vorstand?
  • Wofür ist es wichtig, das Gespräch zu führen (auch unabhängig vom Ergebnis)?
  • Warum ist das Gespräch wichtig?
    Diese Fragen adressieren wieder das Intentionsgedächtnis.

Die PSI Theorie zeigt mit Ihren Ergebnissen auf, dass das Pendeln zwischen diesen verschiedenen “Teilen” im Gehirn, für eine gewünschte positive Aufladung des verhaltensbasierten Systems sorgt, damit die gewünschte Handlung wirklich realisiert wird.

Wenn Sie jemanden kennen, der sich in einer “Sackgasse” befindet kann das Vorgehen gezielt zwischen Absicht, eigenen Erfahrungen und entsprechenden positiven Emotionen, wenn die Absicht erfüllt ist – zu pendeln – sehr hilfreich sein. Dazu gilt es darauf zu achten, dass Sie dies im Dialog tun. Dialog bedeutet wirklich zuzuhören. “Der Mensch wird erst im Du zum Ich.” (Martin Buber)

Die PSI Theorie liefert somit konkrete Ansätze, um gezielt Lösungen in Motivation, Denken und Verhalten mit Menschen in Organisationen zu entwickeln. Die aktive Berücksichtigung dieser Theorie kann bei Changeprozessen aus meiner Sicht eine große Hilfe sein. Dazu gilt es die bei Changeprozessen die Organisationskultur mit einzubeziehen.

“Du sollst Konflikte austragen. Aber nicht mit Deinem Chef.” – über Double Binds in Organisationen

Juni 7, 2011

Unsere Muttersprache haben wir alle fast automatisch und ganz leicht gelernt. Schwieriger wurde es mit dem Lernen mit den Fremdsprachen in der Schule. Sicher gibt es dazu eine Vielzahl von Gründen.

Lernen in Organisationen ist ebenfalls keine leichte Aufgabe. Jede Reorganisation, jeder Change Prozess, jeder Workshop, jedes Training oder auch Coaching sind Angebote und Chancen zum Lernen, bzw. Verlernen. Natürlich wissen wir inzwischen alle, das ein lebenslanges Lernen zu unserem Arbeitsalltag dazu gehört und stehen dem meist offen gegenüber. So sagen wir das meist.

Trotzdem verlaufen nicht alle Veränderungsprozesse, so wie sie gewünscht sind. In meinen Kundenprojekten arbeite ich häufig an der Aufgabenstellung: Teams, Manager und Mitarbeiter sollen endlich konstruktiver zusammenarbeiten. Das ist ein großer Wusch und es gibt auf allen Seiten auch ein großes Engagement in der Sache. Die Beteiligten schätzen sich meist als rational denkend und handelnd ein (was aus der jeweiligen Systemsicht auch so ist).
Oft sind die Hindernisse unbewusst und liegen in der “Organisationskultur” oder den “Double Binds”. Es zeigt sich meist, dass es keine “böse” Absicht gibt; jedoch eine unglückliche und ungewünschte Wirkung in der Zusammenarbeit und Organisation. Das ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Punkt. Oft wird bei Change Projekten immer noch davon ausgegangen, das Menschen nur rational agieren. Das ist nach wie vor eine grosse Fehleinschätzung.
In Organisationen gibt es neben individuellen Herausforderungen beim Lernen, vor allem auch die Herausforderungen auf Basis der “Systemlogik” der Organisation. “Systemlogik” meint: Es macht Sinn für die Beteiligten im System auch wenn die Ergebnisse nicht zufrieden stellen. Das es eher eine “Systemlogik” ist, lässt sich auch daran erkennen, dass es auch dann so läuft, wenn Personen getauscht werden. Es gibt ein “Regelwerk”, welches das System am Leben hält und aus der jeweiligen Sicht der Beteiligten Sinn macht.
Von aussen betrachtet sieht das jedoch anders aus. Das ist auch eher leicht von dieser Perspektive aus Widersprüche (Blinde Flecken) zu sehen. Schliesslich ist man als externer Beobachter nicht Teil des Systems.

Ein aktuelles Beispiel aus dem Spiegel Online, das in Organisationen z.B. auch bei Beförderungen nicht “rational” gehandelt wird. Dazu der Telekom Vorstand Herr Sattelberger (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,766536,00.html):

KarriereSPIEGEL: Was ist dann mit dem Motto: Qualität setzt sich durch – nur ein schöner Schein?

Sattelberger: Die Entscheidungen fallen ebenso durch Seilschaft, Treuebonus, Netzwerke, strategisches Platzieren von Vertrauten und Vitamin B wie durch Qualität. Zu behaupten, dass Qualität allein entscheidet, ist Hybris.

Die Systemlogik kann u.a. folgende “Double Binds” beinhalten:

Diese “double binds” haben natürlich ihre Folgen, wenn es um Veränderungen und damit um das Lernen geht. Das kann fatale Auswirkungen haben, wenn es um eine Marktsituation geht, in der viele Marktbegleiter in einem dynamischen Umfeld agieren. Stellen Sie sich vor, nur einer ihrer Marktteilnehmer berücksichtigt die Erkenntnisse der Organisationspsychologie angemessen und ist konstruktiver in der Zusammenarbeit?

Chris Argyris veröffentlichte in den 90er seine Arbeitsergebnisse zum Lernen in Organisationen. Die sind aus meiner Sicht nach wie vor aktuell. Zu defensiven Routinen, bzw. den Abwehrroutinen in Organisationen: “jegliche Handlungen und Politik, die Menschen vor negativen Überraschungen, Gesichtsverlust oder Bedrohung bewahrt und gleichzeitig die Organisation daran hindert, die Ursachen der Überraschungen, Gesichtsverluste und Bedrohungen zu reduzieren oder zu beseitigen.

Auch nannte er die in Organisationen “eingeübte Inkompetenz” als Hinderungsgrund: Fehler werden vertuscht, es werden Schuldige gesucht, anstatt Fehler als Lernchance zu begreifen. Die “eingeübte Inkompetenz” bleibt auch bestehen, wenn neue Mitarbeiter und Führungskräfte die entsprechenden Rollen im System einnehmen. Die Regelkreise bleiben stabil. Daher macht es auch keinen Sinn nach “Schuldigen” im System zu suchen. Viel eher stellen sich Fragen: Wie ist die Struktur des Systems beschaffen? Wo im System ist Veränderung eher leicht in gewünschter Richtung möglich? Welche Auswirkungen wird es haben? Wie lassen sich positive Auswirkungen verstärken? Etc.
Ein Beispiel: Eine Projektgruppe bekommt Lob und Anerkennung für gute und selbständige Arbeit. “Weiter so. Wir vertrauen Euch.” Gleichzeitig wird gefordert die Projektfortschritte nun täglich zu kommunizieren. Die Projektgruppe wertet das als Misstrauen und glaubt den verbalen Vertrauenshinweisen und den Managern in der Zentrale weniger. Das gibt Gerüchte, weniger Fokus auf die Arbeit, weniger Leistung, mehr Kontrolle, etc. Daraus entsteht unter Umständen eine eskalierende Rückkopplungsschleife.

Gerade in unserer komplexen Welt ist es unmöglich fehlerfrei zu arbeiten. Da wird mir auch jeder Manager und Geschäftsführung inhaltlich zustimmen: “Genau so ist es.” Das ist oft die offizielle Haltung, die ja auch im Firmenleitbild und Führungsrichtlinien veröffentlicht wird. Das entspricht dem offen vertretendes Handlungskonzept, nach den Herren Argyris und Schön.

Sie arbeiteten in Ihrer Arbeit deutlich heraus: Es gibt ein offen vertretendes Handlungskonzept (Modell II) und ein grundlegendes Handlungskonzept (Modell I) in Organisationen. Das grundlegende Handlungskonzept ist das sichtbare, was in der Organisation auch so gelebt wird. Zwischen beiden gibt es oft einen großen Unterschied.

Frau Dorothea M. Hartmann hat in dem wunderbaren Magazin Profile (Systemtheorie und System Dynamics – 20 . 2010 http://www.ehp-koeln.de/zeitschriften/profile.php) Modell I und Modell II zusammengefasst. Es geht dabei um die Werte und Annahmen, die zumeist unbewusst wirken und Folgen haben:

  • Modell I: Kontrolliere den Zweck des Treffens, Maximiere den Gewinn, Unterdrücke negative Gefühle, sei rational –> Vertrete deine Position, um die Kontrolle zu haben und zu gewinnen, Wahre das Gesicht –> Missverständnisse, Self-fulfilling Prophecies, Sich selbst versiegelnde Prozesse, Eskalierte Irrtümer
  • Modell II: Valide (validierbare) Informationen, Freie und informierte Entscheidung, Innere Verpflichtung –> Vertrete deine Position und verbinde sie mit Nachfragen und öffentlicher Überprüfung, Minimiere einseitige Gesichtswahrung –> Erhöhung von nachprüfbare, offengelegten und ruhigen Klärungsprozessen, effektives Problemlösen

In Organisationen ist dieses Verhalten oft nicht bewusst. Es handelt sich um “blinde Flecken”. Selbst wenn man einem Blinden, einen blühenden Baum zeigt, so sieht der Blinde nicht. Das ist in Organisationen keine Absicht. Daher ist das in die Kommunikation bringen von “blinden Flecken”, eine höchst wichtige und anspruchsvolle Aufgabe von Beratung.
Externe – nicht betriebsblinde – Berater können die gelebten Modelle transparent machen und dadurch eine Basis für eine neue Entwicklung in der Organisation schaffen. Zuerst muss der Berater das System kennen lernen und verstehen lernen. Kurt Lewin „ein System lernt man erst kennen, wenn man versucht, es zu verändern“. Dazu braucht es auf Seiten der Organisation “echte” Bereitschaft für Spiegelung von Denk- und Verhaltensweisen und für Feedback. Die Konfrontation mit Widersprüchen ist eine nicht leichte Aufgabe für Berater und Kunden. Sie verlangt eine belastbare Arbeitsbeziehung und Demut. Doch es lässt sich machen, allerdings ohne Patentrezept.

Modell II steht auch für die Schlüsselkompetenz “vernetzte Denken”:

  • Welche Auswirkungen haben unsere Denk- und Verhaltensweisen auf unsere Ergebnisse, Management, Mitarbeiter, Partner, Kunden, …?
  • Wir wirkt sich das in unserem System aus (kurz-, mittel-, langfristig)?
  • Welche Rückkopplungen kann es geben?
  • Was sind die nächsten Schritte?
  • Wie können wir offen für “Feedback” sein?

Modell II lässt sich sehr gut mit der “schöpferischen Besprechung” weiter entwickeln: http://schlachte.wordpress.com/2010/04/19/die-schopferische-besprechung/

Gleichzeitig hat das Thema Veränderung auch mit dem Selbstbild des einzelnen Mitarbeiters oder Managers zu tun.
Das gilt natürlich auch für Teilnehmer von Weiterbildungen und im Coaching.

Es ist nicht leicht die “eigene Meinung” in der Schwebe zu halten. Dabei aufmerksam auf innere Dialoge und den eigenen Vorannahmen zu sein sowie auch neugierig darauf zu sein, wie jemand anders seine “Bilder” und Meinungen konstruiert. Besonders wenn etwas passiert was uns nicht gefällt. Schnelle Kritik könnte eine Chance haben sich zu wandeln, wenn es mehr gelingt, die eigenen Impulse erstmal in der Schwebe zu halten und sich der eigenen Konstruktion bewusster zu werden. “Was geht in mir vor? Welche Impulse melden sich? Was sind die Bedürfnisse? Was meine Ziele?  Möchte ich mich positionieren? Was spricht für den Beitrag des anderen? Was spricht dagegen? Was wäre ein konstruktiver Schritt? Was die Auswirkungen?
Dann könnte es noch immer noch zur Kritik kommen. Oder auch zu einer neuen Einsicht. Lernen von sich selbst. Mehr dazu:  http://schlachte.wordpress.com/2011/01/11/das-selbstkonzept-oder-warum-veranderungen-nicht-leicht-sind/

Selbstreflexionsprozesse im Coaching – eine Rezension

Juni 1, 2011

Trager, Bernhard (2008). Selbstreflexionsprozesse im Coaching: Die Auswirkungen auf Klienten und deren Umfeld als Einflussfaktoren auf den Coaching-Erfolg. Saarbrücken: VDM

Rezension von Christoph Schlachte (aus dem aktuellen Coaching Magazin:  http://www.coaching-magazin.de/download/ )

In dem kleinen und sehr gut lesbaren Buch von Bernhard Trager geht es um ergebnisorientierte Selbstreflexion und um die Fragestellung, welche Auswirkungen Selbstreflexionsprozesse im Coaching haben.

Vor sich hin Grübeln hat überhaupt nichts mit Selbstreflexion zu tun. Das hat eher damit zu tun, sich gedanklich im Kreise zu drehen. Viele Menschen in Organisationen tun dies – zum Beispiel nach Krisen und kritischem Feedback. Oft ist die Ursache für das Grübeln Feedback. Das kann auch in Form von Veränderungen entstehen, die sich auf Grund des dynamischen Marktes entwickeln. Das Unternehmen wird übernommen und der neue Arbeitsplatz ist nun in Spanien. Tja, was gestern noch verlässliche Struktur und Sicherheit bot, gilt ab heute nicht mehr.

Das eigene Selbstkonzept wird dadurch unter Umständen sehr in Frage gestellt. Darauf lässt sich ganz unterschiedlich und individuell reagieren. Die Ursache lässt sich negieren, es kann vermieden werden, wieder in ähnliche Situationen zu kommen, das Selbstkonzept kann an die neue „Realität“ angepasst werden oder es kann eine ergebnisorientierte Selbstreflexion zusammen mit einem externen Coach gestartet werden. Das trifft jedoch selten zu, da Menschen die Tendenz haben, das Selbstbild zu schützen. Dazu kommt, dass Manager, die selbst sehr handlungsorientiert sind, sich mit Selbstreflexion und auch Coaching eher schwer tun. Hier spielt sicher auch die Organisationskultur eine Rolle.

Coaching wird, wie dies Siegfried Greif (2008) und der DBVC (2010) formuliert, als „systematische Förderung der Selbstreflexion“ verstanden. Wichtig ist, das reale und ideale Selbstkonzept einer Person zu unterscheiden. „Das individuelle Selbstkonzept einer Person umfasst die Gesamtheit aller bewussten, subjektiv wichtigen Vorstellungen, die eine Person von sich als reale oder ideale Person hat, einschließlich aller charakteristischen und subjektiv als wichtig eingeschätzten Ziele, Bedürfnisse, Merkmale und Entwicklungspotentiale sowie Normen und Regeln, an denen sie sich orientiert oder anstrebt zu orientieren.“

Dieses Konzept sollte aus Sicht des Rezensenten mehr in Organisationen berücksichtigt werden, vor allem in jenen, die in dynamischen und sich schnell verändernden Umwelten arbeiten. Wir brauchen gute Antworten, wie wir Menschen unterstützen können, Veränderungen konstruktiv anzugehen – besonders auch, wenn sie eine Veränderung des Selbstkonzeptes beinhalten.

Coaching unterstützt den Klienten, sein Selbstbild ergebnisorientiert zu hinterfragen. Damit verbunden ist die Selbstaufmerksamkeit. Ohne die Aktivierung der Selbstaufmerksamkeit kann es keine Selbstreflexionsprozesse geben. Dazu braucht es den Willen des Klienten.

Mehrere Studien zeigen, dass die Aktivierung von Selbstreflexionsprozessen die Wirksamkeit von Coaching steigert. Nach Offermanns (1998) empfinden Klienten das Feedback und den Einsatz von Fragetechniken von Coachs besonders hilfreich, andere Sichtweisen zu generieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dies zeigt sich auch in der kleinen Studie von Bernhard Trager, die ausführlich die Auswirkungen von Selbstreflexionsprozessen auf Klienten diskutiert.

In seinem Modell der Auswirkungen von Selbstreflexionsprozessen im Coaching werden auch die Reaktionen des Umfeldes berücksichtigt. Diesen Aspekt kann der Rezensent aus praktischen Erfahrungen gerne unterstreichen: Veränderungen beim Klienten bewirken einen Anpassungsdruck im Umfeld und dies wirkt wieder auf den Klienten zurück. Das ist ganz systemisch gedacht. An dieser Stelle soll an Niklas Luhmann erinnert werden: „Nur was in der Kommunikation bleibt, wirkt in der Organisation.“ Die Veränderung des Klienten sollte in der Organisation also positiv konnotiert werden. Da können Vorgespräche bei der Auftragsklärung und auch die Personalentwicklung gute Dienste und Vorarbeit leisten. So kann sich dann auch der Chef mit verändern. Stellen Sie sich vor, der Chef und Initiator des Coachings wünscht sich konstruktivere Bereichsleiter: Dann könnte der Chef gefragt werden, ob er, wenn der Klient sich konstruktiver auch ihm gegenüber verhält, diese neue Seite erstmal in jedem Fall positiv konnotieren könnte? Vielleicht eine kleine, „besondere“ Herausforderung …?

Je höher in der Hierarchie Coaching in Anspruch genommen wird, um ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege im Denken und Handeln zu gehen, desto gewinnbringender verlaufen Coaching-Prozesse im Unternehmen. Argyris tritt vehement dafür ein, dass Führungskräfte zuerst ihre eigene Lernfähigkeit verbessern, bevor sie dies von ihren Mitarbeitern einfordern. Höheres Lernen, das so genannte Double-Loop-Lerning basiert nach Argyris letztlich auf nichts anderem als auf Selbstreflexion. Sein Fazit: „Vielleicht könnte man Selbstreflexion als eine verschlossene Tür und Coaching als den passenden Schlüssel dazu bezeichnen.“

Das Buch ist aus Sicht des Rezensenten eine wertvolle Ergänzung zu  den vielen Büchern zu Coaching und Coaching-Werkzeugen. Es wendet sich an Personalentwickler, Coachs, Klienten sowie an Studenten und Wissenschaftler. Es bietet Gelegenheit, über ergebnisorientierte Selbstreflexion und Selbstkonzepte zu reflektieren. Der Rezensent hat das in seiner „Peergroup“ mit Gewinn getan.

 

Christoph Schlachte

CS Seminare, Burgthann

cschlachte@cs-seminare.com

 

Bei Amazon bestellen:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3836459876/cr

Trager, Bernhard (2008).

Selbstreflexionsprozesse im Coaching: Die Auswirkungen auf Klienten und deren Umfeld als Einflussfaktoren auf den Coaching-Erfolg.

Saarbrücken: VDM

ISBN: 978-3-8364-5987-7

104 S.; 49,00 €

 

Organisationskultur und soziale Medien

Mai 2, 2011

Bekommen Sie mit, was über Ihr Unternehmen und Sie im Internet kommuniziert wird? Wenn Sie es wüssten, wie schnell können Sie darauf reagieren? Dürften Sie, könnten Sie, müssten Sie, oder ist das nicht offiziell geregelt?

Inwieweit betrifft dies direkt und indirekt Ihre Unternehmensziele? Sehen Sie in “sozialen Medien” eher Chancen für Ihre Unternehmensziele?

Nach meiner Auffassung ist es sehr sinnvoll sich mit der eigenen Organisationskultur  im Zusammenhang mit Unternehmenszielen zu beschäftigen. Damit kann in der Organisation mehr Klarheit über die gelebten Werte, den offiziellen Leitbildern sowie den “ungeschriebenen Gesetzen” und Zielen erzielt werden. “Organisationskultur definiert Edgar Schein als die Werte und Normen und Grundannahmen, die sich aus der persönlichen Lerngeschichte eines Teams oder einer Organisation ergeben.”
Das hat mit den offiziellen Leitlinien oder Leitbildern einer Organisation nichts zu tun. Diese zeigen eher auf, woran das Unternehmen gerne weiter kommen möchte, bzw. zeigen auf, was nicht da ist  (z.B. offene Feedbackkultur, konstruktive Kommunikation, Teamgeist, Kunde im Mittelpunkt, …).

Die meisten Unternehmen wünschen sich grundsätzlich konstruktiv mitdenkende und handelnde Mitarbeiter und Führungskräfte. Selten hört man, dass das so zu 100% in den Organisationen funktioniert. Meist hat das, aus meiner Sicht, mit der Organisationskultur zu tun. Daran lässt sich arbeiten. Jedoch nicht direkt.

Welche Kultur , d.h. auch Engagement, konstruktive und unternehmerische Denk- und Verhaltensweisen hätten Sie den gerne, um “passend” mit den sozialen Medien (Kommunikationszugang zu Kunden, Partnern, möglichen Mitarbeitern, etc.) umzugehen? 


Aktuell: Am Freitag den 06.05.2011 findet bei der GRUNDIG AKADEMIE ein BarCamp zum Thema statt.

Nach der FAZ (2010) nutzen 80% der Führungskräfte soziale Medien.  Das soll allerdings nicht bedeuten, dass dies aktiv und im Sinne der Unternehmensziele geschieht. In manchen Fällen, wird z.B. über Facebook kritisch über das eigene Unternehmen oder über Mitarbeiter gesprochen.

In machen Internet Foren wird sich sehr kritisch zu Unternehmen und Produkten geäußert. Käufer suchen natürlich gezielt im Internet auch nach solchen Informationen, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. Denken Sie nur an “Holidaycheck”. Wer als Hotel häufig schlecht abscheidet hat sicher einen Wettbewerbsnachteil und sicher auch die Chance das Feedback der Kunden zu nutzen. Allerdings gibt es auch hier die Möglichkeit, dass das Feedback in der Form nicht berechtigt war. Im “Holidaycheck” gibt es die Möglichkeit für das Hotel, eine “Gegendarstellung” zu veröffentlichen.

Die Möglichkeit sich zu Unternehmen, Menschen und Produkten zu äußern nimmt zu. Für Unternehmen stellt sich damit die Herausforderung: Wie wollen wir damit umgehen? Welchen Einfluss haben wir auf eigene Mitarbeiter in Bezug auf deren (auch private) Kommunikation in den sozialen Medien? Wie wollen wir auf Feedback und Kundenstimmen im Netz zu unserem Unternehmen reagieren? Wer darf das? Wie darf er das? Was möchten wir von uns aktiv in die Kommunikation einbringen? (Technisch scheint es weniger ein Problem zu sein. Siehe dazu beispielhaft die Info der Firma Cisco für das Thema, was sich in sozialen Netzen tut: http://www.cisco.com/en/US/products/ps11349/index.html)

In früheren Zeiten, war es in manchen großen Konzernen z.B. schwierig schriftliche Referenzen einfach zu bekommen. Das musste erst sorgfältig von der Rechtsabteilung geprüft und autorisiert werden. Stellen Sie sich vor, dass würde auch für die Kommunikation mit sozialen Medien so gehandhabt? Sicher hat dieser Punkt auch viel mit dem Thema Vertrauen zu tun. Gibt es eher eine Vertrauenskultur oder eher eine Kontrollkultur? Welche Auswirkungen hat dies jeweils auf die Kommunikationskultur und auch auf die Ergebnisse?

Heidi Schall hat in Ihrem Blog eine interessante Checkliste zu der Frage veröffentlicht, ob Unternehmen schon bereit für die sozialen Medien sind: “Social Media Readiness“.

Soziale Medien können natürlich auch sehr gut intern eingesetzt werden. Z.B.: Die Geschäftsführung schreibt in einem internen Blog. Alle Mitarbeiter haben ein Kompetenzprofil. Es werden Probleme oder Herausforderungen ins soziale Netz geschrieben. Mitarbeiter können gezielt nach Informationen zu Problemen und Lösungen suchen.

Auch das ist natürlich eine Sache des Vertrauens und der gelebten Organisations- und Führungskultur für die Unternehmensziele. Ein Spiegel der Organisation.

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