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Die eigene Einstellung macht es. Das mögen „Gurus“.

Juli 18, 2013

Ich habe heute einen Link zu einem Blog-Eintrag gefunden, der mich bewegt. Auf der einen Seite klingt es sehr plausibel. Es liegt an jedem Menschen seine Einstellung zu den Dingen des Lebens positiv zu gestalten und zu leben. Das ist in seiner Verantwortung. Die Arbeit ist zwar lausig und ich mache das Beste daraus. Das kann so funktionieren. Vor allem, wenn es der Kontext begünstigt und dann über die Zeit verstärkt. Z.B. bei Trainern, Beratern und „Gurus“, die das Modell leben und vermarkten.

Wir Menschen mögen einfache Botschaften. Wenn es schwierige Fragen sind, ersetzen wir häufig die schwierige Frage mit einer einfachen Frage (Heuristik – Daumenregel). Ganz automatisch und unbewusst macht das unser Gehirn für uns, ohne das wir das mitbekommen. Das und andere Wahrnehmungsverzerrungen hat Herr Daniel Kahneman anschaulich herausgearbeitet.

Klappt es aus Sicht der Unternehmensleitung nicht so gut mit dem Engagement der Mitarbeiter oder fehlt es an unternehmerischen Denken (schwierige Frage nach den Gründen), dann liegt der Schluss nahe, brauchen wir eine „Einstellungsänderung“ der Mitarbeiter und Führungskräfte (einfache Antwort zu einer schwierigen Frage). Das hat ja jeder unter eigener Verantwortung, oder?

Dann bucht man einen passenden „Guru“ oder „Motivations-Trainer“. Der appelliert dann an die eigene Verantwortung der Mitarbeiter und zeigt ein überzeugendes Beispiel dafür auf der Bühne. Das ist ganz einfach, wenn man nur will und es sich zutraut. Die Kontexte sind allerdings völlig unterschiedlich. Das wird jedoch nicht thematisiert und daher wird das gar nicht so wahrgenommen. Die Stimmung ist gut. Alle sind begeistert, voller Energie und Tatendrang sich authentisch und engagiert zu zeigen. Das wirkt dann zwei oder drei Tage. Vielleicht klappt es auch bei manchen auch länger. In diesem Markt der einfachen und schnellen Antworten wird viel Geld gemacht. Ein Vortrag, ein Buch, etc. und die Botschaft die Einstellung zu verändern alleine wird in der Regel kaum eine nachhaltige Veränderung bewirken. Vor allem nicht in Organisationen.

Doch aus meiner Sicht wird, wenn ich nur den Blog Beitrag betrachte, ein wesentlicher Aspekt ausser Acht gelassen. Wir leben nicht alleine. Der soziale Kontext bestimmt unser Verhalten mehr, als wir vielleicht glauben mögen und wollen.

„Ganz gleich welchen Beruf oder welche Position ein Mensch hat, ob Vorstand, Kassiererin oder Ärztin – die Einstellung, mit der wir an unsere täglichen Aufgaben herangehen, haben wir selbst in der Hand. Und die beeinflußt unser Wohlbefinden viel mehr als die Bedingungen der Arbeit selbst.
Dazu fällt uns ein Zitat von Martin Luther King ein, das wir für die nächste Ausgabe unserer Zitateedition „99 Zitate für Querdenker“vorgemerkt haben:

„Wenn ein Mann zum Straßenkehrer berufen ist, dann sollte er Straßen kehren. So wie Michelangelo gemalt hat, wie Beethoven Musik komponiert hat oder wie Shakespeare geschrieben hat, so sollte er die Straßen kehren; so nämlich, dass all die Heerscharen des Himmels und der Erde innehalten und sagen werden: Hier lebte ein großer Straßenkehrer, der seine Arbeit gut gemacht hat.“

Wir interpretieren die Aussage so: Was immer Sie in diesem Moment tun, tun Sie es mit ganzem Herzen. Engagiert. Bewusst. Gern. Mit Freude, Freundlichkeit und einem klaren Commitment. Das ist so viel mehr als einfach nur einen Job zu machen. (aus Blog vom 25.06.2013 von http://home.foerster-kreuz.com/2013/06/haus-in-frankreich.html)“

Doch was passiert, wenn die Geschichte nicht aufgeht: Zweifeln die Menschen an sich? Wird an ihnen gezweifelt? Wird am „Guru“ gezweifelt?

So gerne ich die Ansicht teilen täte, dass es mit einer persönlichen Einstellungsänderung getan ist, so sehr sehe ich in der Praxis von Coaching und Organisationsberatung, dass das nicht ausschlaggebend ist. Es ist komplexer. Das mögen wir nicht so gerne.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Die Persönlichkeit ist nicht entscheidend für das Verhalten. Der soziale Kontext ist entscheidend für das Verhalten von Menschen.

Im Kontext von Organisationen gibt es aus meiner Sicht auch keine Pauschal-Rezepte, wie sich Einstellungen zu Führung, Zusammenarbeit und Kommunikation verändern lassen. Mit einem Appell an die persönliche Einstellung ist es nicht getan.

spiel

Der soziale Kontext macht den Unterschied. Das beobachte ich in Coachings und Organisationsberatung.

Die Sozialpsychologie und Organisations-Soziologie haben in Experimenten und Studien aufgezeigt, dass der soziale Kontext eine große Rolle spielt. Betrachten Sie das Diagramm: Eine einfache Änderung des sozialen Kontextes, des „Spielnamens“ (Walt Street oder Gemeinschaftsspiel) zeigt deutliche Unterschiede in der Kooperation der Teilnehmer. Entnommen aus dem Buch – Sozialpsychologie – aus dem Verlag Person (Link dazu).

Oder erinnern Sie sich an das Milgram Experiment? „Das Milgram-Experiment ist ein erstmals 1961 in New Haven durchgeführtes psychologisches Experiment, das von dem Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. – Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment)

Leider, so vermute ich, wäre ich unter gleichen Bedingungen wie die Testpersonen, ein ähnlich schlechtes Beispiel.

Es gibt in der Zwischenzeit eine Reihe anderer Studien und Experimente, die die Bedeutung des sozialen Kontextes hervorheben. Dazu kommen die von Daniel Kahneman aufgezeigten Schwierigkeiten, wenn wir in sozialen Kontexten wahrnehmen und entscheiden.

Wir sollten bei Einstellungsfragen immer den situativen Kontext berücksichtigen. Die Persönlichkeit und Einstellung spielt auch eine Rolle. Doch nicht die Hauptrolle. Wer sich mit Führungskultur und Organisationskultur intensiver beschäftigt, weiss dass Veränderungen nicht nur von bewussten Einstellungen und Zielen abhängen sondern von einer Vielzahl von Faktoren in dem sozialen System der Organisation. Die Absichten sind meist sehr positiv.

Wie schaffen wir in sozialen Kontexten gewünschte Veränderungen, z.B. das persönliche Einstellungen positiv wirken? Das ist eine komplexe Frage. Antworten sind aus meiner Sicht individuell zu entwickeln. „Ein System lernt man kennen, wenn man es verändert.“ Kurt Lewin.

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6 Kommentare leave one →
  1. Juli 19, 2013 7:54 am

    Sicher ist, das eine persönliche Einstellung mit „das Glas ist halb voll“ zuträglicher ist als mit „das Glas ist halb leer“. Das Gesetz der Resonanz zieht entsprechende Situationen an. Die mit der ersten Einstellung werden daher „erfolgreicher“ sein als die Zweiteren.

    Ich kann mir allerdings vorstellen, dass in einer Organisation, in der ein Konkurrieren gefördert wird und die mit den stärksten Ellenbogen auch das Sagen bekommen, es hier mit einer angenehmen Athomsphäre schwierig wird, sprich ein Arbeiten auch bei der besten positiven Einstellung auf Dauer schwierig werden wird. (siehe die vielen Beiträge auf Initiative Wirtschaftsdemokratie zum Thema Führung).

    Ich las vorgestern noch:

    „“Bei Menschen, die sich über einen längeren Zeit nicht „gesehen“ fühlen (Isolation), werden an entscheidenden Stellen Gene abgeschaltet, so dass die Motivation zum erliegne kommt. “
    Kleinstkinder, die von ihrer Mutter zu lange getrennt sind und dabei zu wenig ersatzbetreut sind, fühlen sich ebenfalls isoliert.
    Es zeigt sich, dass diese Kinder später deutlich agressiver sind.“ (siehe auch)

    … im Buch „Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren“ von Joachim Bauer

    Dort, wo dieses Gesehen-werden, das uns wachsen und gedeihen (-> Potentialentfaltung) lässt, im Konkurrieren gestört wird, kann auch der beste Guru nicht wirklich nachträgliche Wirkung entfalten, so meine Sicht auf das Thema Motivation nach 5 Jahren intensiven Draufschauens …

    Vielen Dank für den Artikel und ja, so trivial ist das Thema nicht, oder am Ende doch?
    Martin Bartonitz

    • Juli 19, 2013 8:05 am

      Hallo Martin, danke auch für Deine Gedanken.

      Ich habe gerade auch mit Unternehmen zu tun, die gerne ihre Zusammenarbeit verbessern möchten. Die Absichten sind konstruktiv und doch gelingt es noch nicht so, wie es sich alle vorstellen. Teilweise passiert das Gegenteil. Ich denke die Einstellung passt. Doch die „alten“ Muster der Zusammenarbeit sind sehr lebendig und werden besonders unter „Druck und Stress“ aktiviert. Keine böse Absicht. Doch das hat natürlich Auswirkungen.

      Bei einer „Lernreise“ mit einem Kunden zur DM Drogerie hatte ich das Vergnügen auch den Personalvorstand kennen zu lernen. Bei der DM Drogerie wird eine „Führung für Mündige“ (Dialog im Fokus; Annahme wir haben kompetente Menschen also las sie in Verantwortung handeln) gelebt. Auf meine Frage, wie lange es dauerte dieses System einzuführen, kam die aus meiner Sicht sehr ehrliche Antwort: Wir arbeiten noch immer, d.h. jeden Tag daran.

      Der Kontext macht den Unterschied und auf den muss die Organisation achten.

      Viele Grüße, Christoph Schlachte

    • Juli 19, 2013 8:51 am

      Da fällt mir noch ein.
      Bei Lucent in den USA hatten wir auch vor langer Zeit einen Motivations-Trainer. Der Mann hatte den Mount Everest bestiegen und erzählte davon. Hat mir gut gefallen, da ich selbst gerne auf Berge (viel kleinere) besteige.

      Die Kernbotschaft an alle inkl. dem Vorstand. „I think I can.“ Ohne diese Gedanken hätte er es nicht geschafft. Wir alle sollten das auch machen. Unmögliches möglich machen.

      Ein paar Tage später wurde ich beim Umsetzen dieser Idee von einem amerikanischen Vice President ermahnt, nicht einfach zu machen, sondern die Regeln einzuhalten.

      Der Kontext des Trainers, der Kontext des Abends war jeweils ein anderer Kontext. Der Alltag hat seinen Kontext. Gewünschte Veränderungen müssen den Kontext berücksichtigen, so meine Sicht.

      • Juli 19, 2013 9:28 am

        Lerne die Regeln, um sie brechen zu können!“ den Spruch sagten man einigen Bekanntheiten nach, u.a dem Dalai Lama als auch Miyamoto Musashi, einem japanischer Schwertkämpfer.

        Ich las vor etwa 10 Jahren das Buch „Wahnsinnskarriere“ it etwa 14 Regeln, die zu befolgen wären, um ganz nach oben in Hierarchien zu kommen. Eine davon war auch das Regelbrechen, denn, wenn es der Organisation zu Gute kommt, wird keiner dagegen etwas tun.

        Interessant auch Regel 1: „Fasse keinen Computer an, er frisst Deine Zeit durch zu viele Konfigurationsmögichkeiten.“ Das hat sich ja inzwischen deutlich verbessert.

        Und ganz wichtig Regel 2: „Sei lieb zu Menschen“. Egal wem, denn du weißt nie, wann sie gut oder schlecht über dich sprechen werden.

        Ich selbst habe wenig Ambitionen, diese Charriereleiter der Hierarchien erklimmen zu wollen, da ich ein Vertreter von „Lasse dich nicht berrschen und beherrsche daher auch Niemanden“. Das ist in unserer Welt des dauernden Gehorsams (gegenüber Eltern, Lehrern, Chefs, Vater Staat und Gott; wo ist da eigentlich Raum für Mündigkeit?) schon sehr schwierig zu leben.

        Ich bekam vorgestern den Hinweis auf einen Vortrag, der zeigte, wie das mit weniger Beherrschen von Kindern in Familien funktionieren kann. Da hat Jemand das Prinzip der agilen Programmierung basierend auf Selbstorganisation auf seine Familie angewendet. Sehr interessant:

        Bruce Feiler – agile programming for your family

        Viele Grüße
        Martin

  2. Juli 20, 2013 12:28 pm

    Moin zusammen,

    Ich bin Eurer Meinung. Aus meiner Sicht stellt der soziale Kontext eine „closed Loop“ dar. Menschen denken und agieren und beeinflussen so Ihre Umwelt. Andererseits wirkt dann die Umwelt wieder zurück auf das Denken und Agieren der Menschen. Sucht man in diesem Zirkel den Anfangspunkt, und das müssen wir um dieses Thema überhaupt zu diskutieren, trivialisieren wir bereits.

    Zirkuläre Grüße,
    Conny

  3. März 16, 2014 2:01 pm

    Bis zu einem gewissen Grad kann sich ein Arbeitnehmer seinen Job schönreden oder schön denken. In vielen Positionen gilt das als professionell. Den Beruf den man sich aussucht, ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Oft genug entscheidet der Zufall. Da kann es keine einfachen Lösungen geben.

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