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Coaching & Training für besseres Stressmanagement: Am Thema vorbei?

November 19, 2013

Wichtig für professionelle Berater und professionelle Leistungsträger in Organisationen. Geht es dabei um eine Spirale von noch mehr Stress?

Je mehr erfolgreiches Training und Coaching zu Stress- und Selbstmanagement, desto mehr Stress und Druck in der Organisation, desto mehr Symptome, desto mehr bessere Trainings und Coachings werden gebraucht,  usw.  Kann das sein? 

In managerSeminare findet sich ein beachtenswerter Artikel „Coaching interessiert, wird aber wenig gebucht“ als Ergebnis einer Führungskräfteumfrage.

Als Fazit steht: „… Dies kann als subjektives Defizitempfinden oder – weiter gedacht – als Ansatzpunkt für gezielte Weiterbildungsmaßnahmen interpretiert werden. Sprich, vor allem bei den Themen Selbstführung und Stressmanagement benötigen Führungskräfte Unterstützung.“ Die Erkenntnis zeigt sich nicht nur in anonymen Befragungen, sondern sie zeigt sich auch an den Folgen wie Burnout, hohen Krankenraten und Fluktuation.

„Selbststeuerung und Stressmanagement“ sind auch häufiger Themen für Coachings mit Führungskräften. Sicher gibt es gute methodische Ansätze Führungskräften in diesen Fragen zu helfen.

Aus meiner Sicht ist das zwar auf der einen Seite eine nette Sache, die Führungskräfte weiter zu qualifizieren, besser mit Stress und Druck umzugehen. Das klingt und ist dann sicher auch sehr menschlich zu unterstützen und zu helfen.

Zwei Gedanken dazu:

1.) Doch was ist, wenn ich damit als Coach oder Trainer ein „krankmachendes“ System stabilisiere? (Siehe dazu auch den Artikel von Hansjörg Künzli im Coaching Magazin „Die andere Seite von Coaching“.) Dann bin ich als Coach in der Organisation beliebt und bekomme weitere Aufträge bei Führungskräften um das „Stressmanagement“ zu verbessern.

2.) Werden sich gerade mit einem besseren Umgang der Führungskräfte mit Druck und Stress, weitere Aufgaben, Projekte und Ziele finden, die dann wieder zu noch mehr Stress und Druck führen? Ein Teufelskreis quasi.

Das führt dann wieder zu noch besseren Trainings und Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer und Coaches. Davon leben Branchen. Manche Unternehmen führen dann auch ein Gesundheitsmanagement ein. Das kann dann besser werden, muss aber nicht. Das liegt dann in der Regel nicht am Gesundheitsmanagement.

Interessanter ist es aus meiner Sicht nicht nur die Symptome zu betrachten, sondern vor allem auch die Ursachen zu analysieren:

  • Sind die Symptome Ausnahmen oder sind sie eher Regel in der Organisation?
  • Welche Organisationsdynamik und Organisationskultur produziert die Symptome?

Das hat sicher dann viel mit der bestehenden Organisationskultur, Werten, Selbstbild und Marktbedingungen zu tun. Wie definiert sich die Organisation? Welche Spielregeln gelten? Was ist der Preis dafür?

Besser als nur am Symptom zu arbeiten, ist es das Thema Organisationskultur und die Geschäftsführung mit ein zu beziehen, vor allem, wenn sich die Probleme damit häufen:

  • Welche Möglichkeiten liegen in der Veränderung der Organisationsdynamik für eine gesündere Organisationsentwicklung?
  • Wie aufgeschlossen ist die Geschäftsführung darüber in den Dialog zu gehen?  

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4 Kommentare leave one →
  1. November 19, 2013 2:11 pm

    Wohl wahr! Sinn eines Stressmanagements kann nicht ein „noch besser, noch mehr“ an Leistungsstreben sein im Sinn von „Symptome wegmachen“. Die Antwort lautet vielmehr Achtsamkeit, Haushalten mit Ressourcen und Innehalten, um dann wieder balanciert (!) durchzustarten. Das betrifft nicht nur den Einzelnen, der immer auch Teil eines Systems ist.

    • November 19, 2013 2:20 pm

      Die Frage ist auch: Welche Grenzen darf es bei Führungskräften geben? und Leben Geschäftsführer Grenzen angemessen und gesund vor?

      Ich kenne Geschichten von Führungskräften, die zu weiteren Projekten und Aufgaben „nein“ sagten. Dann hörten sie die Frage, ob sie sicher sind in der richtigen Organisation zu sein. Da spürt man lebendige und „unbewusste“ Organisationsdynamik zu Fragen der Zugehörigkeit und Identität.

  2. November 20, 2013 11:49 am

    Die Gedanken sind sicher berechtigt. Allerdings möchte ich einwenden, dass diese Gefahr insbesondere dann besteht, wenn ich reine Techniken vermittele ohne den entsprechenden Hintergrund und Unterbau.
    Unser Verhalten basiert ja immer auch auf dem, was wir wissen. Wenn mir als Führungskraft klar wird, welche physischen und psychischen Folgen eine häufige Überforderung bei einem Menschen hat, dann werde ich beginnen sowohl bei mir als auch bei meinen Mitarbeitern entsprechendes Umdenken und entsprechende Verhaltensänderungen zu trainieren. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das benötigt Zeit und vor allem konsequentes Training im beruflichen Alltag wie auch in der Freizeit. Dann würde sich die Problematik mit der Zeit selbst regulieren. Zum einen werden Mitarbeiter fähig mit stressigen Phasen gesünder umzugehen, zum anderen verändert sich durch das neue Wissen um die Zusammenhänge zwangsläufig auch das System Unternehmen, denn dieses besteht ja nun einmal aus dem Wissen und Verhalten seiner Mitarbeiter (Elementen).

  3. Januar 16, 2014 2:51 pm

    Ich finde, die Gefahr mit Stressmanagement und Resilienz Seminaren krankmachende Systeme zu unterstützen, ist immer da. Am besten ist doch, das Thema anzusprechen, sobald man den Eindruck hat, dass es passiert. Das will sicher nicht jeder hören, zumal die Coaching- oder Seminarteilnehmer Teil des Systems sind und insofern durchaus veränderungsträge. Aber es ist ein Anfang. Vor allem dann, wenn man daran glaubt, dass diese Art von Stressmanagement Training Erfolg verspricht… Viele Grüße, Heiner Diepenhorst (Berlin)

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