Skip to content

Ohne Zeit ist nix mit Innovation & Digitalisierung – ganz zu schweigen von Agilität oder New Work

Juni 8, 2017

Mehr Innovation, mehr Digitalisierung, mehr „Agilität“, mehr „New Work“, mehr zufriedene Mitarbeiter, weniger Hierarchie, keine Silos sowie natürlich mehr Effizienz und mehr Rendite –  all das sind Wünsche oder auch klare Erwartungen an alle Mitarbeiter, Führungskräfte und der Geschäftsführung. Cool doch vieles davon widerspricht sich natürlich. Vermutlich ist auch vieles ein „Hype“.

Das Beitragsbild von H. Kopp-Wichmann, finde ich auch zu den Themen treffend. Zum „Unterführen“ kommt inzwischen immer mehr der Zeitmangel durch hohe und steigende Arbeitslast sowie durch die Probleme von zu „schlanken“ Organisationen. Da funktioniert kein Querdenken, keine Innovation von „innen“ mehr. Obwohl sie häufig gut gemeint, so gefordert und gewünscht werden. 

Bei meinen Kunden, bzw. bei Gesprächen mit Freunden und Bekannten über deren Kunden und Organisationen, stehen Zeitdruck und aktuelle Probleme ganz oben auf der Tagesordnung. Alles muss schnell gehen. Alles muss irgendwie trotz Engpässen gut und schnell auf den Weg gebracht werden.

Mitarbeiter, Führungskräfte und Geschäftsführer brauchen Reserven und Spielraum, um gute Arbeit zu leisten, bzw. um die Organisation mit neuen Ideen voran zu bringen. 

Die Organisationen haben Intelligenz entwickelt, um mit wenig Zeit und Ressourcen umzugehen. Sonst gäbe es sie nicht mehr, oder? Informelle Netze in Organisationen machen das (noch) möglich. Wie lange kann die „schlank gemachte“ oder auf „Effizienz getrimmte“ Organisation das noch verkraften? Auf der anderen Seite und bei so viel Gewohnheit: „Lässt sich das Rad einfach zurückdrehen?“

Es wächst auch die Anforderung, immer besser als andere „Marktteilnehmer“ zu werden. Innovationen werden gebraucht oder zumindest über den KVP müssen immer wieder Verbesserungen erarbeitet werden. Dazu gibt es dann entsprechende Workshops (Lean Management, KVP, Design Thinking, etc.) und Coachings, die dann gewünschte Ergebnisse bringen sollen.

All diese guten Ideen und Absichten werden vermutlich nicht viel bringen, wenn es eigentlich keine „Zeit“ und „Ressourcen“ gibt, um sich mit diesen Themen zu beschäftigen.

Im Gegenteil, zum normalen operativen Alltags kommen immer weitere wichtige Aufgaben, die nicht mit der notwendigen Energie angegangen werden können. Daher kommen viele Aufgaben und neue Projekte nicht voran, was zu noch mehr Meetings und Eskalationen führt. Immer weniger Zeit für qualitativ hochwertige Arbeit mit guten Ergebnissen. Werden z.B. in Ihrer Organisation Mitarbeiter, die den Arbeitsplatz wechseln oder verlassen, automatisch ersetzt; oder werden die Aufgaben eher auf den Rest des Teams verteilt?

Fragen an den Leser zu Ressourcen in der eigenen Organisation: 

  • Können Sie in aller Ruhe 3 Wochen Urlaub machen?
  • Was passiert bei Ihnen, wenn Kollegen überraschend ausfallen?
  • Wie gut und schnell müssen Sie in der Freizeit (Wochenende, Urlaub, Feierabend) erreichbar sein?
  • Wie viel Reserven haben Sie, um einen Kollegen bei einer Aufgabe wirklich zu helfen und sich dabei gut zu fühlen?
  • Wie viel Zeit bleibt in der Organisation für Gespräche jenseits des operativen Tagesgeschäfts?
  • Wie viel Zeit haben Sie im Arbeitsalltag sich in ein neues Thema gut einzuarbeiten, bzw. eine neue Projektidee selbständig voran zu bringen?
  • Wie gut fühlen Sie sich bereit, echte Innovationen in Ihrer Organisation anzugehen und auf den Markt zu bringen?

Vermutlich ist der Zeitdruck und das Gefühl im „Hamsterrad“ zu laufen, auch eine Hauptquelle von der „Burn Out“ Problematik in Organisationen und wird sich unter den Umständen weiter verstärken. Es ist also mehr eine organisatorische Ursache.

Mitarbeiter, Teams und Führungskräfte verlieren oft den Mut „Nein“ zu neunen Aufgaben, zu sagen. Chefs haben oft nicht die Übersicht, die Auslastung richtig einzuschätzen und gehen davon aus, dass sich die „Leute“ schon beschweren würden. Oft ist dieser meist unreflektierte Kreislauf „immer mehr, mit immer weniger leisten“ eine betriebliche ungünstige Übung. Im Laufe der Zeit, werden die Reserven aufgebraucht. Keine Lösung ohne Preis.

Ohne genügend Reserven und Zeit wird es kaum mehr Innovation und ständig steigende betriebliche Erfolge über Verbesserungen geben.

Dann sollen die Mitarbeiter und Führungskräfte noch zu den Alltags-Aufgaben neue Sachen lernen und anwenden (Design Thinking, Innovation, KVP, …). Ein Workshop ist da nur ein Auftakt. Zur „lieben“ neuen Gewohnheit wird es erst, wenn es viel mit Übung, Zeit zur Reflexion und Feedback wertvoll und wirksam wird. Wie soll das im normalen Alltag gehen?
So entsteht nur Frust nach solchen Workshops. Man hatte kluge Ideen. Man hatte Zuversicht und Hoffnung. Doch im Alltag fehlt Zeit für das „Neue“. So entsteht Frust und es braucht Antworten zu der Frage, warum es nicht vorangeht. Der Markt, die Mitarbeiter, die Prozesse, die Kunden, die Berater, die Methode, etc. – irgendwer wird dann schuldig. Gewinnen Geschäftsführung, Führungskräfte und Mitarbeiter so Energie sich für die Organisation weiter kräftig einzusetzen?

Wissenschaftliche Ergebnisse wie z.B. von Daniel Kahneman zeigen auf, dass wir Menschen gerade unter Stress, mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Fehler machen. Solche Erkenntnisse sollten aus meiner Sicht klug in der Organisation genutzt werden. Leider passiert das wenig; vielleicht auch gar nicht. Siehe dazu die Buchbesprechung „Schnelles Denken – langsames Denken“. 

Ideen zum „Finden“ von mehr Zeit (als RESERVEN & RESSOURCE) in der Organisation:

  • Es sollte aus meiner Sicht in der Organisation genau geschaut werden, wo Abteilungen, Teams oder einzelne Mitarbeiter überlastet sind. Gibt es Möglichkeiten der Umverteilung der Aufgaben in der Organisation (Schnittstellenanalyse unter dem Aspekt Zeit/Qualität) oder sind Neueinstellungen notwendig, um weiteren Schaden durch z.B. schlechte Arbeitsergebnisse, schlechtere Stimmung, Imageverlust, Krankheitsrate, Fluktuation, etc. zu verhindern und wieder Bedingungen für eine gute Arbeitsleistung und Qualität zu schaffen.
  • Ein weitere Chance für eine bessere Zukunft ist es aus meiner Sicht Ausschau nach Aufgaben, bzw. betrieblichen Routinen zu halten, die wegfallen können, die reduziert werden können (Wo reichen 80% (gute) Qualität statt (exzellente) 100%?)  und/oder über automatisierte Prozesse (Digitalisierung) erledigt werden können.
  • Wo kann durch kluge Delegation von Verantwortung mehr wirksamer Gestaltungsspielraum geschaffen werden, statt Nachfragen und Absicherungsprozesse zu generieren? Das spart Zeit und kann Mitarbeiter und Führungskräfte, wieder an die Frage erinnern: „Was brauche ich, um hier einen guten Job zu machen?“ sowie gute Resonanz und damit Zufriedenheit erzeugen.
  • Da gibt es sicher noch mehr Ideen. Vielleicht Mitarbeiter, Geschäftspartner fragen. Eine Lernreise zu Organisationen wagen, die da gut dabei ist?
  • Ihre Ideen? Gerne unter Kommentare.

Die gesparte Zeit darf dann aber auf keinen Fall mit anderen Aufgaben gefüllt werden. Mitarbeiter, Führungskräfte und Geschäftsführer brauchen Reserven und Spielraum, um gute Arbeit zu leisten, bzw. um die Organisation mit neuen Ideen voran zu bringen. Wenn die Geschäftsführung darauf achtet und die Mitarbeiter sich dessen bewusst sind, ist dafür eine Menge getan.

 

Vertiefende Anregungen zu den damit verbundenen Themen:

 

Freue mich, wenn der Beitrag gefällt und/oder über eine Nachricht/Meinung dazu.

 

 

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: